NEUIGKEITEN

Ich wünschte, es hätte nicht zu meiner Zeit passieren müssen", sagte Frodo.

"Ich auch", sagte Gandalf, "und alle, die solche Zeiten erleben. Aber das müssen sie nicht entscheiden. Wir müssen nur entscheiden, was wir mit der uns gegebenen Zeit tun sollen."

"Notfallgesetze von deiner Hand" betitelte Bernhard Vesper das Konvolut am Briefwechsel mit seiner untergetauchten Ehefrau Gudrun Esslin. Es gehört zum schönsten Briefwechsel der deutschen Sprache in einer wirren, unausgeglichenen Zeit der europäischen Geschichte.

Notfallgesetze von unserer Hand erreichen uns nun seit dem heutigen Mittag. Vor einer Woche war die Pandemie noch weit weg, lediglich eine Projektionsfläche für tief verwurzelten Ängste, von welche wir uns unter normalen Umständen leicht erledigen. Der Therapieraum soll den letzten "heiligen" Raum in einer immer mehr flüchtig gewordenen Welt bleiben. Nun ist dieser Raum selbst verletzlich geworden. Die Pandemie zwingt uns allerdings nicht zur Aufgabe der Beziehungen, sondern lediglich zum Umdenken. Ich bin mir einerseits bewusst, dass die aktuelle Situation bereits vorhandene Ängste, Phantasien und Handlungsimpulse verstärkt. Anderseits bleibt die therapeutische Beziehung eine wertvolle Konstante.

Für die bestehende und neue Patienten biete ich ab sofort Konsultationen am Telefon oder über Videokonferenz (Skype, Facetime, etc.) an.

"Ich glaube, die so denken und zu einem dauernden Verzicht bereit scheinen, weil das Kostbare sich nicht als haltbar bewährt hat, befinden sich nur in der Trauer über den Verlust. Wir wissen, die Trauer, so schmerzhaft sie sein mag, läuft spontan ab. Wenn sie auf alles Verlorene verzichtet hat, hat sie sich auch selbst aufgezehrt, und dann wird unsere Libido wiederum frei, um sich, insofern wir noch jung und lebenskräftig sind, die verlorenen Objekte durch möglichst gleich kostbare oder kostbarere neue zu ersetzen. Es steht zu hoffen, daß es mit den Verlusten dieses Krieges nicht anders gehen wird. Wenn erst die Trauer überwunden ist, wird es sich zeigen, daß unsere Hochschätzung der Kulturgüter unter der Erfahrung von ihrer Gebrechlidikeit nicht gelitten hat. Wir werden alles wieder aufbauen, was der Krieg zerstört hat, vielleicht auf festerem Grund und dauerhafter als vorher." (S. Freud 1915)

Ab den 1. April 2020 verlege ich meine Praxis in der Usteristrasse 23 8001 Zürich (nahe Löwenplatz). In der Zwischenzeit bleibe ich sowohl in der alten Praxis in der Merkurstrasse 61 8032 Zürich als auch unter vermehrtem Einbezug neuen Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung.

Bleib gesund!


 

Gruppentherapie bei AD(H)S ab April 2020

Zirka 4% der Erwachsenen sind von einer Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivität)-Störung betroffen. Die Behandlung erfolgt auf verschiedenen Ebenen, in der Regel als Kombination von medikamentösen und psychotherapeutischen Interventionen, für gewöhnlich als Wissensvermittlung und Verhaltensänderung (Psychoedukation und Coaching).

Erwachsene mit AD(H)S leiden häufig unter zwischenmenschlichen Schwierigkeiten in der Familie, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz. Sie reagieren zu schnell, zu unbedacht auf anderen, ohne über die eigene seelische Verfassung nachzudenken.

Die Fähigkeit über die eigene oder der anderen Menschen seelische Verfassung nachzudenken wird als Mentalisieren bezeichnet. Diese Fähigkeit wird heute als ein Hauptfaktor der Resilienz betrachtet und steht seit Jahren im Fokus psychodynamischen Therapien, auch in der Gruppe.

Der Gruppenleiter übernimmt eine aktive, offene Rolle und ermutigt die Teilnehmer über sich selbst und die anderen nachzudenken. AD(H)S-Betroffene lernen über Beziehungen (im hier-und-jetzt der aktuellen Lebensumstände und der Gruppe) in Verbindung zum dort-und-damals (der prägenden Kindheitserfahrungen) zu reflektieren. Mit Hilfe von spezifischen Techniken lernen die Teilnehmer deren impulsiven Handlungen Aufschub zu gewähren und ein besseres Verständnis für mentale Prozesse zu entwickeln. Wertvolle Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer werden ausgetauscht und gemeinsam bearbeitet.

Die mentalisierungsbasierte Therapiegruppe (MBT-G) für Erwachsenen mit AD(H)S wird ab April 2020 montags zwischen 17:30 und 19:00 in meiner Praxis stattfinden. Eine Zahl von sieben bis neun Teilnehmer ist vorgesehen. Bedingung für die Teilnahme ist ein Vorgespräch mit dem Gruppenleiter. Die Gruppe wird halboffen geführt (neue Teilnehmer werden nur beim Ausscheiden eines anderen aufgenommen). Es empfiehlt sich eine Teilnahme von mindestens 20 Sitzungen.

Voranmeldung über Mail (cosmin.chita@hin.ch) oder Telefon (0789605352).